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26.02.2016, 20:36 Uhr
Neue Namensstifter für Straßen im Afrikanischen Viertel!
Antrag der CDU-Fraktion Mitte (Reschke)

 

Mehrere Dekaden streiten sich Initiativen, Anwohner und Anwohnerinnen sowie Parteien bereits um den Umgang mit den Straßennamen des Afrikanischen Viertels. Man ist gespalten über die Frage, ob wegen der teils belasteten Namenspaten und des Makels der Kolonialgeschichte die Straßennamen gänzlich ersetzt werden sollten, oder ob, begleitet von kritischer Aufklärungsarbeit, die tradierten Namen bewahrt werden sollten. Die gegenwärtige Zählgemeinschaft im Bezirk, welcher die CDU-Fraktion angehört, hat ein Konzept verwirklicht, welches die problematischen Hintergründe der Straßennamen beleuchtet. Nach wie vor ist der Konflikt jedoch nicht befriedet, weswegen die CDU-Fraktion einen Kompromissvorschlag in die Bezirkspolitik einbringt, der unrühmliche Namenspaten dem Gedenken entzieht: Die Umwidmung bestehender Straßennamen zugunsten eine Namensvetters, welcher mit demokratischen Werten kompatibler ist.

Die Benennungen der Straßen und Plätze im Afrikanischen Viertel stammen aus unterschiedlichen zeitgeschichtlichen Epochen Deutschlands und verweisen deshalb auch in unter­schied­licher Weise auf historische, biographische und geographische Bezüge Deutschlands zu Afrika. Diese unterliegen im postkolonialen Diskurs einer steten Neubewertung, wobei es aber nicht sinnvoll ist, dies jeweils mit Straßenumbenennungen nachzuvollziehen. Umso sinnvoller erscheint es aber, diesem gewandelten Blick auf deutsch-afrikanische Geschichte anders Rechnung zu tragen. So kann auch der Rückgriff auf neue Namensgeber unter Beibehaltung der Straßennamen Veränderungen hervorheben und erinnernd dokumentieren. Gleichzeitig vermeidet diese Herangehensweise eine ausschließlich rückwärts­gewandte und auf die Kolonialgeschichte rekurrierende Würdigung europäisch-afrikanischer (und zum Beispiel deutsch-namibischer) Beziehungen sowie eine Verfestigung überkommener Stereotypen. Dafür eröffnen sich Chancen der verstärkten Wahrnehmung für die Entwicklung des demokratischen Afrikas im Allgemeinen und Namibias im Besonderen.

 

Aufklärung statt Umbenennung: Diese Informationstafel resultierte aus der Zählgemeinschaftsvereinbarung 2011; Bildquelle: ¹
Der Antrag im Wortlaut:

Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen:

 

1)     In Übereinstimmung mit der vielfach gewünschten historischer Würdigung der heutigen Sichtweise auf seinerzeit in Kolonien geschehenes Unrecht künftig im Afrikanischen Viertel des Bezirks Mitte von Berlin die mit Straßennamen gewünschte jeweilige Würdigung inhaltlich und unter Beibehal­tung der vorhandenen Straßen- und Platznamen für folgende zwei Straßennamen zu verändern:

a)     Der Nachtigal-Platz würdigt künftig den Theologen und Schriftsteller Johann Karl Christoph Nachtigal (statt den bisherigen Namens Gustav N.), in Anlehnung an die Umwidmung des Gedenkens in der Petersallee, ebenfalls vom Bezirk beschlossen (und durchgeführt 1986).

b)    Die Lüderitzstraße würdigt künftig die gleichnamige Küstenstadt in Namibia, passend zu den weiteren Straßennamen des Afrikanischen Viertels, die Städte Namibias ehren, wie etwa Swakopmund und Berlins namibische Partnerstadt.

2)     Das Bezirksamt wird ersucht, geeignete Schritte zu unternehmen, um eine Bezeichnung der Garten­wege in der Dauer-Kleingartenverein 'Togo' nach bedeutenden Städten/Landmarken (Flüsse/Höhenzüge o. ä.) Togos zu bezeichnen - wie zum Beispiel Lomé-Weg, Kara-Weg, Sokodé-Weg).

3)     
Das Bezirksamt wird ersucht, geeignete Maßnahmen zu treffen, um

a)     mit Hinweisen im Straßenbild wie auch mit Veranstaltungen sowohl auf Geschehnisse und Hintergründe unterschiedliche Epochen afrikanischer und europäischer Geschichte ver­wei­senden Informationen zu vermitteln und zugleich

b)    Wandlungsprozesse in diesen Ländern, bzw. in den afrikanisch-europäischen Beziehungen zu dokumentieren und darüber hinaus

c)     die über Berlin hinausreichende Bekanntheit des Afrikanischen Viertels positiv zu nutzen, um über die heutige Lebenswirklichkeit und kulturellen Reichtum der mit den Straßennamen des Afrikanischen Viertels gewürdigten Regionen in geeigneter Weise zu informieren.

¹ Bildquelle: By Miriam Guterland (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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